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Permakultur
Permakultur-Design

Permakultur ist eine komplexe Art der ökologischen Garten- und Landschaftsgestaltung. Angestrebt ist ein Ökosystem, das sich selbst erhält und Erträge bei minimalem Pflegeaufwand erwirtschaftet. Es ist vielfältig, schön und ökologisch wertvoll.

Passt Permakultur zu Ihnen?
Machen Sie den Test. Bauen Sie Ihr erstes Beet.
Zunächst rufen Sie ein paar Freunde zur Hilfe. Ziehen Sie ein paar Pflanzen vor, die eine gute Mischkultur abgeben und kaufen Sie einen Obstbaum und einen Beerenstrauch nach Geschmack. Sammeln Sie alte Zeitungen, Pappe oder alten Naturstoff. Verkaufen Sie Ihren Spaten.
Natürlich haben Sie Küchenabfälle zur Hand. Suchen Sie jetzt die Stelle für Ihr Testbeet, der Norden ist nicht immer geeignet! Schließen Sie den Gartenschlauch an. Kochen Sie Kaffee, Tee und heiße Schokolade, setzen Sie sich in den Garten und genießen den Tag. Ihre Freunde erscheinen zahlreich, alle sind neugierig, was Sie jetzt schon wieder für Flausen im Kopf haben. Einer mäht Rasen, der nächste schneidet gröberes Grünzeug, die anderen breiten Zeitung oder deren Alternativen an der Stelle aus, die das Beet werden soll. Achten Sie darauf dass es nicht breiter wird, als die Arme zweier sich Berührender reichen, das Beet wird grundsätzlich nicht betreten. Wenn Wind weht, gibt es beim Zeitungausbreiten viel zu lachen, halten Sie erstes Schnittgut zum Beschweren bereit. Die in mehreren Lagen überlappt gelegte Zeitung wird gut gewässert, dann bringen Sie den Rasenschnitt, gemischt mit anderen, gröberen Materialien und den Küchenresten auf, auch Knochen oder Knochenmehl sind nützlich. Wenn ungefähr zwanzig Zentimeter erreicht sind, wässern Sie erneut und reichlich, soll ein Sprinkler eingesetzt werden, ist jetzt die Gelegenheit. Decken Sie dann erneut mit Zeitung oder so ab und geben als letzte Lage genug Grünmaterial obendrauf, dass das Ganze nicht wegfliegt und wässern nocheinmal. Entspannen Sie bei Tee, Schokolade und Kaffee, auch etwas Nahrung ist nun hilfreich, sicher haben Ihre Freunde etwas mitgebracht.

Jetzt ist es Zeit zu pflanzen
Holen Sie ein paar Eimerchen Erde mit reifem Kompost gemischt. Mit den Händen durchlöchern Sie die oberste Zeitungsschicht und füllen die so entstandenen Pflanzlöcher mit der Erde. Dann setzen Sie die Pflanzen ein. Einsähen ist jetzt noch nicht so gut, meist klappt das erst im zweiten Jahr. Bevorzugen Sie mehrjährige Pflanzen, das ist allerdings kein Dogma. Zum Setzen der Büsche und Bäume durchstoßen Sie beide Papierlagen, machen ein Pflanzloch und setzen das Gewächs ein. Es dient Ihnen nebenbei als Rankhilfe und beschattet die Sorten, die zwar licht, aber nicht in praller Sonne stehen möchten. Gießen Sie nun alle Neulinge an und wiederholen dies die nächsten paar Tage. Mulchen Sie die nackte Erde und sorgen Sie dafür, dass sie immer gut gemulcht bleibt. Zur Ernte pflücken Sie das Begehrte und lassen den Rest der Pflanze auf dem Beet, hier ist ein guter Platz zum Kompostieren. Haben Sie es bemerkt? Der Spaten ist überflüssig.
Jedes Jahr geben Sie nach obigem Muster eine neue Lage Papier und Grünschnitt obenauf und Sie werden sehen: wenn Sie alt und faul geworden sind, ist Ihnen Ihr Beet ein Stück entgegengewachsen. Wenn das keine freundliche Geste ist.
Noch Lust? Lesen Sie weiter.


Grundlagen der Permakultur

Der Begriff Permakultur leitet sich aus Permanent Agriculture ab und wurde 1976 von dem Australier Bill Mollison geprägt. Zusammen mit anderen war er zu der Überzeugung gelangt, dass die bisher in Australien, wie auch in anderen westlichen Kulturen angewandte Landwirtschaft mehr Probleme schafft als sie beseitigt. Erosion, Versalzung der Böden durch Düngereinsatz und Verarmung des Bodenlebens durch Monokultur und Pestizideintrag bedeuteten für Australien, dass ja auf einem gigantischen Granitklops nur wenige Zentimeter fruchtbare Erde trägt, einen immer imenser werdenden Verlust an Lebensgrundlage. Dem wurde ein System gegenübergestellt, das basierend auf genauer Naturbeobachtung, versucht, die Prozesse zu imitieren, die junge Ökosysteme anwenden um ihr Überleben zu sichern. Das sind in erster Linie Vielfalt, Kreislaufwirtschaft, gesunder Wasserhaushalt. Permakultur-Design versucht nun sich selbst erhaltende Ökosysteme als Nahrungsgärten zu schaffen, die wie ein junger Wald agieren. Junger Wald deshalb, weil ein alter Wald eine sich selbst erhaltende Einheit darstellt, die nicht mehr in dem Maße Erträge liefert, wie ein werdendes Gebilde. Er ist sich sozusagen selbst genug. Da aber Lebensmittel produziert werden sollen, initiiert man die Vorstufe der Vollendung.

Wichtigster Faktor einer Permakultur ist der in ihr wirkende Mensch. An ihm orientiert sich das Gesamte. Er selbst schätzt ein, wieviel Land er kontrollieren kann und plant sein Acker nach dieser Leistungsfähigkeit. Dieser eminent wichtige Punkt wird oft vergessen, es werden Hektar geplant, ohne sich zu fragen, wie diese erstellt und erhalten werden sollen. Die kleinste Permakultur die ich kenne ist 42 m2 groß und liefert einer vierköpfigen Familie zweidrittel ihres Obst- und Gemüsebedarfs, andere, größere, sind wieder Brachen, weil ihre Planer vergessen haben die Ressource Mensch zu bedenken. Doch zurück zum Design. Wem dieses Wort nicht liegt, es bedeutet einfach Gestaltung. Wenn wir eine Garten- oder Landschaftsplanung starten, fragen wir zuerst nach den Bedürfnissen des Landes und dann nach denen der Nutzer. Diese stimmen wir mit ihren Ressourcen und Fähigkeiten ab und beginnen nun, das Land in bis zu 5 Zonen zu unterteilen. Zone 0 ist das Haus, um dieses herum bewegt sich anhand der Bewegung der BearbeiterIn die weitere Umgebung. In Zone 1 ist alles das platziert, was tägliche Hand benötigt. Der Haus- und Kräutergarten ist hier angesiedelt, ebenso die Tiere die täglicher Obhut bedürfen.
Zone 2 wird nur alle paar Tage besucht, hier wächst und lebt, was nicht so viel Pflege braucht, hier sind auch Werkstätten und Ähnliches zu Hause. Dieses Prinzip pflanzt sich zur Zone 5 fort, die vielleicht nur einmal im Jahr besucht wird und sich weitestgehend selbst überlassen bleibt. Hier wächst zum Beispiel der Wald für die Erben oder die Altersversorgung.
Neben der Zonierung wird das Land weiter durch Sektoren strukturiert. Hauptwindrichtung, Industrie mit ihren Segnungen, Straßen und andere Katastrophen und Nützlichkeiten finden hier ihren Einzug ins System. Hat man das geschafft, lehnt man sich erst einmal zurück und genießt den schönen Tag und seine Arbeit.


Pflanzen, Tiere und Menschen brauchen Wasser, das muss in guter Qualität da sein oder bereitgestellt werden. Die Bodenlebendigkeit will unterstützt und verbessert werden, die Fähigkeit des Systems sich vor Schaden zu bewahren wird durch Vielfalt und Pflanzengemeinschaft erreicht. Die Bodenqualität wird durch Mulchen und da wo die Krume zu verfestigt ist, durch sanftes Belüften, ohne den Boden umzuwerfen gesichert. Und immer wieder lehnen wir uns zurück, schauen was unsere Eingriffe bewirken und lauschen der Natur ihre Strategien des Überlebens ab. Sie ist unser Lehrmeister und Partner. Wir erkennen, wie sie arbeitet und folgen ihr in unserem Tun. Wir nutzen die zahlreichen, kostenlosen Arbeitskräfte vom Kleinstlebewesen über den Regenwurm, die Vögel, bis zum Igel, Huhn, Rindvieh und schaffen Lebensräume für diese willkommenen Helfer. Wir erlauben den sogenannten Schädlingen zu überleben, sie dienen unseren Freunden zur Nahrung: „sei nicht panisch es ist organisch“. Nehmen die Peiniger überhand sehen wir, dass wir einen Fehler gemacht haben und lernen daraus. Notfalls nutzen wir sie als Proteine und richten sie nach dem „Bugs Cookbook“ an. Langsam wächst unsere Kompetenz mit der Größe der von uns besorgten Fläche. Permakultur gestalten ist ein Prozess des Lernens und Wachsens, nur so bleibt sie lebendig. Wir benutzen keine chemischen Keulen, wir sind sanft und lassen uns grüne Händchen wachsen. Klingt gut was? Aber wie funktioniert das? Bedienen Sie sich hemmungslos bei anderen ökologischen Anbaumethoden, nutzen Sie Pflanzengemeinschaften, Bücher gibt es genug, experimentieren Sie. So vieles ist noch unbeforscht. Nutzen sie die dritte Dimension, schaffen Sie Beete die vor Erträgen strotzen, weil Sie die richtigen Pflanzen kombiniert haben die sich begünstigen, schützen, Schatten spenden, Rankhilfen bieten. Machen Sie nie mehr als Sie sich zutrauen. Entwickeln Sie ihre Kräfte aus Muße, Beobachtung und Tun. So schaffen Sie Paradiese, die auch dann, wenn Sie für Jahre verlassen, bei Ihrer Rückkehr Nahrung bereithalten, weil Sie sich selbst erhaltende Refugien kreiert haben, die erwachsen geworden sind und für Sie arbeiten. Ich habe sie gesehen.
Meine Ausbildung habe ich 1989 an „Permaculture Institute of Western Australia“ begonnen, sie ist ein Prozess und niemals beendet.

Literaturhinweise: Permakultur, Bill Mollison, David Holmgren, Pala Verlag;
Permakultur II, Bill Mollison, Pala Verlag

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